3.000 temporäre Fabriken: Wie die Universität Linköping Studierende mit Bluebeam optimal auf die Praxis vorbereitet

Herausforderung

Bei der Baustellenlogistik geht es darum, Personen, Material und Maschinen zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort zu bringen. Sie ist einer der größten versteckten Kostenfaktoren, findet aber in der Ausbildung kaum Beachtung. Untersuchungen der Universität Linköping in Schweden deuten darauf hin, dass eine bessere Logistikplanung die Baukosten um 20 % bis 30 % senken könnte. Unternehmen aus der Branche machten die Universität darauf aufmerksam, dass die Absolventen kaum über Kenntnisse der digitalen, datengesteuerten Arbeitsabläufe verfügten, die auf der Baustelle mittlerweile gang und gäbe sind.

Lösung

Professor Martin Rudberg nutzte das Bluebeam Academic Program und baute sein Studienprojekt für Baulogistik auf Bluebeam Revu auf. Anhand von realen Plänen des Bauunternehmens NCC planen die Studierenden ein komplettes Wohnbauprojekt in Norrköping – vom Transport über die Baustellenlogistik bis hin zum Innenausbau. Dabei nutzen sie die skalierten Bluebeam-Werkzeugkästen von NCC und Studio-Sitzungen für die Zusammenarbeit. Für die Einarbeitung in die Software ist lediglich eine Gastvorlesung erforderlich, sodass der Großteil der Zeit der Baulogistik gewidmet werden kann.

Vorteile

  • Reduziert die Einarbeitung in die Software auf einen einzigen Gastvortrag, wodurch Unterrichtszeit für die Vermittlung logistischer Inhalte frei wird
  • Die Studierenden planen von A bis Z ein reales Projekt mit 266 Wohnungen – im Originalmaßstab anhand der tatsächlichen Pläne des Bauunternehmens
  • Durch den Einsatz der skalierten Werkzeugkästen von NCC werden aus theoretischen Plänen baubare Pläne
  • In einem abschließenden Peer-Review-Seminar, das vollständig in Bluebeam durchgeführt wird, werden die Pläne der Studierenden mit denen des Bauunternehmens verglichen
  • Die Absolventen beherrschen ein Werkzeug, mit dem sie auch im Berufsalltag zu tun haben werden – eine von ihnen nutzt es inzwischen täglich bei Skanska
  • Das gesamte Programm beruht auf einem Lizenz- und Supportmodell, das – um es mit den Worten des Professors zu sagen – „einfach funktioniert“
Linkoping University

„Sie müssen sich nicht auf das Werkzeug konzentrieren, sondern können die Logistik mithilfe des Werkzeugs erlernen.“

Martin Rudberg Professor und Inhaber des Lehrstuhls für Baulogistik und Management der L.-E.-Lundberg-Stiftung. Universität Linköping

Der Lkw ist 20 Meter lang und das passt nicht.

Das ist ein typisches Problem und die angehenden Bauingenieure im zweiten Jahr am Campus Norrköping der Universität Linköping versuchen, es auf die gleiche Weise zu lösen wie die Profis: auf den Plänen. Ihre Baustelle ist real – Kvarteret Publiken 1, ein Bauprojekt mit 266 Wohnungen, das NCC einen kurzen Fußweg vom Campus entfernt umgesetzt hat. Das Areal befindet sich in unmittelbarer Nähe eines Fußballstadions, einer stark befahrenen Straße, von Wohnhäusern und Schulen. Ein Zufahrtsweg, der Schwerlastwagen an den Häusern, den Schulen und dem Stadion vorbeiführt, muss überprüft werden. Der Wenderadius, der auf das Problem hinweist, wurde vom zuständigen Bauunternehmen bereits maßstabsgetreu in der Software angegeben.

Dieses Baulogistik-Projekt bildet den praktischen Abschluss eines Einführungskurses, den die Gruppe von Martin Rudberg 2011 ins Leben gerufen hat. Seit Februar 2017 führt der Professor diese Übung mit Bluebeam durch. Die Software, mit der die Studierenden arbeiten, ist praktisch selbsterklärend.

„Sie müssen sich nicht auf das Werkzeug konzentrieren, sondern können mithilfe des Werkzeugs die Logistik erlernen.“ erläutert Rudberg.

Professor Martin Rudberg auf einer Baustelle in Norrköping
Professor Martin Rudberg auf einer Baustelle in Norrköping. Jedes Gebäude ist laut Rudberg eine temporäre Fabrik. Ein großes Bauunternehmen könnte 3.000 dieser temporären Fabriken gleichzeitig betreiben und jede von ihnen hätte ihre eigene Lieferkette. Foto: Jenny Widén/Universität Linköping.

Das Problem mit den 3.000 Fabriken

Rudberg trägt einen wahrscheinlich einzigartigen Titel: Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Baulogistik und Management der L.-E.-Lundberg-Stiftung. Bittet man ihn, seinen Fachbereich zu definieren, beginnt er mit einem Vorbehalt. „Baustellenlogistik ist die Logistik, die im Baugewerbe eingesetzt wird, aber das ist keine gute Antwort“, erklärt er.

Die bessere Antwort ergibt sich aus den Besonderheiten, die das Baugewerbe von fast allen anderen Branchen unterscheidet, die er untersucht hat – und das waren viele. Rudberg studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der Universität Linköping und promovierte dort im Gebiet der Produktionsökonomie. Zu Beginn seiner Karriere beschäftigte er sich mit Planungsproblemen in den Bereichen Telekommunikation, Einzelhandel und Fertigung, bevor ein neues Forschungszentrum 2005 sein Interesse am Bauwesen weckte. Der Unterschied, so stellt er klar, besteht darin, dass eine Autofabrik an einem Ort bleibt. Ein Gebäude hingegen wird dort gebaut, wo es genutzt werden soll.

„Sie müssen Arbeitskräfte, Material und Maschinen zur Baustelle bringen“, erläutert er. „Wir bauen temporäre Fabriken, um das zu produzieren, was wir produzieren. Nehmen wir zum Beispiel einen der größeren skandinavischen Baukonzerne. Vielleicht arbeiten sie gerade parallel an 3.000 Projekten. Das bedeutet, dass sie 3.000 temporäre Fabriken und 3.000 temporäre Lieferketten haben. Nennen Sie mir eine andere Branche, in der das so ist.“

Und genau hier fließt auch das Geld ab. Rudbergs Arbeitsgruppe, die inzwischen aus 13 Forschenden besteht und von der Universität als führend in Schweden und Europa eingestuft wird, hat Jahre damit verbracht, diesen Geldabfluss zu beziffern. Ihren Studien zufolge kommen Anlieferungen in der Logistikkette nur in etwa 38 % aller Fälle in jeder Hinsicht (d. h. Produkt, Menge, Qualität, Ort, Verpackung und Dokumentation entsprechen den Vorgaben) korrekt an. Auf der Baustelle ist kaum ein Fünftel bis ein Viertel der Arbeitszeit wertschöpfend. „Wäre es einfach, hätte es schon jemand gemacht“, merkt er an und ergänzt: „Ich mag Herausforderungen.“

Bei der Umsetzung des Projekts genoss er ungewöhnlich große Freiheiten. Im Jahr 2009 wurde seine Professur durch eine Spende der Lars-Erik-Lundberg-Stiftung für Forschung und Bildung ins Leben gerufen und zunächst für 10 Jahre und dann für weitere 15 Jahre bis etwa 2034 finanziert. „Damit war eine stabile Basis geschaffen, um etwas aufzubauen“, so Rudberg. „Wir hatten Planungssicherheit und konnten Leute einstellen.“

Bauarbeiten am Ebbepark in Linköping
Wenn man eine Baustelle von oben betrachtet, wird schnell klar, was Rudberg mit einer temporären Fabrik meint: Kräne, Material und Lagerungsflächen sind auf engstem Raum unterbracht und alles wird termingerecht bereitgestellt. Im Bild: Bauarbeiten am Ebbepark in Linköping. Foto: Universität Linköping

Ein von Grund auf neues Programm

2017 startete Rudberg ein landesweites Studienprojekt mit dem Titel „Die vernetzte Baustelle“, an dem mehr als 60 Unternehmen beteiligt waren: große Bauunternehmen wie Skanska, NCC und Peab, globale Technologiefirmen wie Microsoft und Autodesk sowie eine Vielzahl von Start-ups, Zulieferern und Logistikunternehmen. Die Botschaft der Branche war unmissverständlich. Absolventen wussten zu wenig über Digitalisierung und kannten sich weder mit dem Internet der Dinge (IoT) noch mit digitalen Zwillingen oder künstlicher Intelligenz (KI) aus.

Rudberg gibt zu, dass die Universitäten Teil des Problems sind. „In der Forschung können wir ganz vorne mit dabei sein“, betont er. „Aber die Übertragung der Forschungsergebnisse in das Bildungswesen verläuft nur schleppend. Wir lehren Flexibilität und Bewusstsein, legen aber selbst nur wenig Wert darauf, flexibel zu sein.“

Linköping hatte einen Vorteil: Es gab keine Tradition, die verteidigt werden musste. „Innovation ist unsere einzige Tradition“ lautet das Motto im Strategieplan der Universität, und das ist durchaus zutreffend – die Hochschule ist eher für Gesundheitswissenschaften, künstliche Intelligenz und als Standort des schwedischen nationalen Supercomputing-Zentrums bekannt als für das Bauwesen. Nvidia-CEO Jensen Huang wurde dort die Ehrendoktorwürde verliehen. Als die Branche also Absolventen suchte, die über Kenntnisse im digitalen Bauen verfügten, konnte die Universität etwas völlig Neues erschaffen anstatt Altes zu überarbeiten: einen zweijährigen Masterstudiengang für digitalisiertes Bauen, der mittlerweile im fünften Jahr angeboten wird und die Bereiche Programmierung, KI, IoT und Smart Cities umfasst.

Doch der digitale Vorstoß beschränkt sich nicht nur auf den Masterstudiengang. Rudberg hatte bereits lange vor Beginn dieses Programms digitale Werkzeuge in seine Lehrveranstaltungen integriert. Das beste Beispiel dafür findet sich in einem Pflichtkurs im zweiten Jahr des Bachelor-Studiums, in dem er Bluebeam Revu einsetzt, um Baulogistik zu lehren.

Campus Norrköping der Universität Linköping
Der Campus Norrköping der Universität Linköping. Er befindet sich in restaurierten Industriegebäuden entlang des Flusses Motala und ist die Heimat der Baulogistikgruppe von Rudberg. Foto: Universität Linköping

Ein reales Projekt, drei miteinander verbundene Pläne

Das Bluebeam-Praxisprojekt findet am Ende des Einführungskurses zur Baulogistik von Rudberg statt, nachdem die Studierenden die Theorie behandelt haben. In Vierer- oder Fünfergruppen planen sie in drei Schritten das Bauprojekt Kvarteret Publiken 1.

Schritt 1: Alles muss auf die Baustelle gebracht werden. Die Studierenden prüfen Straßen, Brücken und Zufahrten für Lkw, um festzulegen, wie die Materialien, Maschinen und Arbeitskräfte zur Baustelle gelangen. Schritt 2: Das Planen der eigentlichen Baustelle (Lagerbereiche, Platzierung von Kränen und Bauaufzügen, Einsatz von Arbeitskräften und Materialien) anhand der tatsächlichen Projektpläne, die in Bluebeam importiert wurden. Schritt 3: Das Planen der Logistikflüsse im Gebäude von Etage zu Etage. Danach kommt der schwierige Teil: Alle drei Pläne müssen aufeinander abgestimmt werden.

„Bei der Logistik geht es nicht nur darum, Material von A nach B zu bewegen, sondern darum, die Voraussetzungen für einen reibungslosen Produktionsablauf zu schaffen.“

Molly Lundgren
Produktionsingenieurin
Skanska

Die Realitätsnähe ist bewusst gewählt. NCC, eines der größten Bauunternehmen Schwedens, startet das Praxisprojekt mit einer Gastvorlesung frei nach dem Motto „Wir zeigen euch jetzt, wie ihr das, was Martin euch gerade beigebracht hat, in Bluebeam umsetzt.“ Anschließend stellt NCC den Studierenden seine Vorlagen und Werkzeugkästen zur Verfügung, in denen die tatsächlichen Abmessungen bereits skaliert sind. „Die Antwort auf die Frage, ob auf der Baustelle wirklich Platz für einen 20 Meter langen Lkw ist, erhalten sie automatisch“, so Rudberg. Christian Gren von Bluebeam gibt anschließend eine kurze technische Einführung. Danach arbeiten die Studierenden in Studio-Sitzungen zusammen, in denen sie von jedem beliebigen Standort aus auf dieselben Dokumente zugreifen können.

Damit ist die Software-Schulung praktisch schon abgeschlossen. „Natürlich könnte man das auch auf Papier oder in einer anderen Software machen“, erklärt Rudberg. „Aber der Aufwand, um die Studierenden mit Bluebeam vertraut zu machen, ist wirklich gering.“ Genau hier liegt der entscheidende Punkt: Dank der kurzen Einarbeitungszeit kann der Schwerpunkt des Kurses auf die Logistik statt auf die Softwareschulung gelegt werden. Laut Rudberg kam es in all den Jahren, in denen er das Praxisprojekt leitet, nur sehr selten vor, dass die Studierenden Fragen zur Funktionsweise des Werkzeugs hatten.

Rudberg hat Alternativen ausprobiert, darunter auch solche mit aufwendigen 3D-Oberflächen. Allerdings sei es komplizierter gewesen, sich mit diesen vertraut zu machen, fügt er hinzu. Es gibt auch eine Marktlogik: Nach Rudbergs Erfahrung (und er weist ausdrücklich darauf hin, dass er keine offizielle Marktstudie kennt) ist Bluebeam in Schweden so weit verbreitet, dass die Studierenden im Berufsalltag eher damit zu tun haben werden als mit einem anderen Werkzeug. Ein seit zehn Jahren reibungslos funktionierendes Lizenzmodell ist ein weiterer Pluspunkt. „Ich brauche nur eine E-Mail in die USA zu schicken und es funktioniert einfach“, sagt Rudberg. Und er ergänzt: „Die Zeit, die wir nicht für den Projektablauf aufwenden müssen, nutzen wir, um die Aufgabenstellung für die Studierenden zu verbessern.“

Der Kurs endet mit einem Seminar, das zur Hälfte aus konstruktiver Kritik und zur anderen Hälfte aus schonungsloser Abrechnung besteht. Rudberg ruft die Pläne ausgewählter Gruppen auf, die Kursteilnehmer vergleichen die Ansätze und dann werden die Arbeiten der Studierenden den tatsächlichen Logistikplänen von NCC gegenübergestellt. Die Studierenden stehen dabei meistens gut da. Rudberg nimmt das Bauunternehmen schnell in Schutz: Der für diesen Auftrag verantwortliche Planer sei ein ehemaliger Student von ihm, merkt er an. „Also bin ich dafür verantwortlich“, fügt er hinzu.

Bauarbeiten neben dem Fußballstadion in Norrköping
Bauarbeiten neben dem Fußballstadion in Norrköping zur Realisierung des NCC-Projekts Kvarteret Publiken 1, das die Studierenden in Bluebeam planen. Foto mit freundlicher Genehmigung von Martin Rudberg.

Von der Uni in die Praxis

Rudberg hat zwar keine auf das Studienprojekt zurückzuführenden Erfolgskennzahlen zum Berufseinstieg, aber das Feedback der Absolventen sei durchweg positiv, weiß er zu berichten. „Die praktischen Übungen bleiben ihnen viel stärker im Gedächtnis als meine theoretischen Vorlesungen“, stellt er klar. „Einige haben sich nach ihrem Berufseinstieg gemeldet, um mir mitzuteilen, dass ihr neuer Arbeitgeber mit Bluebeam arbeitet und sie froh seien, die Software bereits zu kennen. Andere landen bei einem Arbeitgeber, der mit einer anderen Software arbeitet, doch ihre Fähigkeiten lassen sich dennoch gut übertragen.“ „Wer ein System kennt, dem fällt die Einarbeitung in ein zweites oder drittes System deutlich leichter“, betont er. „Es geht darum, den Arbeitsablauf zu verstehen: Was können die Systeme und was können sie nicht.“

Sofia Jansson ist hier ein gutes Beispiel. Sie absolvierte den Kurs im Frühjahr 2024 und kehrte im darauffolgenden Jahr als Lehrkraft zurück. Besonders in Erinnerung geblieben war ihr das Abschlussseminar, in dem die Kursteilnehmenden ihre Bluebeam-Pläne nebeneinander aufriefen und die verschiedenen Ansätze miteinander verglichen. „Es war faszinierend zu sehen, dass ein und dieselbe Aufgabe auf so viele unterschiedliche Arten gelöst werden konnte“, erklärt sie. Die Baustellenplanung mit den Elementen des Werkzeugkastens habe ihr ein echtes Gefühl für die Größenverhältnisse gegeben, fügt sie hinzu. Man könne genau sehen, wie viel Platz ein Kran, ein Container oder eine Bereitstellungsfläche einnimmt und wie sich dadurch die gesamte Baustelle verändert.

Die Praxisnähe machte sich im späteren Berufsalltag bezahlt. Während eines Sommerpraktikums beobachtete Jansson einen Kollegen beim Erstellen von Baustelleneinrichtungsplänen – in Schweden APD-Pläne genannt – und wusste genau, um was es ging. „Rückblickend betrachtet, war unsere Projektarbeit während des Studiums auf einem sehr hohen Standard und wäre für ein reales Projekt mehr als ausreichend gewesen.“, resümiert sie. Ihr Rat an alle, die das Programm in Betracht ziehen, ist pragmatisch: Wer eine Karriere im Baugewerbe anstrebt, wird diesen Plänen früher oder später begegnen. Sich bereits während des Studiums mit einem Werkzeug wie Bluebeam vertraut zu machen, „kann beim Berufseinstieg ein großer Vorteil sein.“

„Rückblickend betrachtet, war unsere Projektarbeit während des Studiums auf einem sehr hohen Standard und wäre für ein reales Projekt mehr als ausreichend gewesen.“

Sofia Jansson
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Universität Linköping

Molly Lundgren besuchte im Frühjahr 2024 denselben Kurs, absolvierte anschließend den Masterstudiengang Digitalisiertes Bauen in Linköping und ist heute Produktionsingenieurin bei Skanska, einem der Bauunternehmen, die am Studienprojekt von Rudberg teilnahmen. Am meisten beeindruckte sie die Tatsache, dass das Projekt kaum etwas mit einer typischen Aufgabenstellung im Studium zu tun hatte. „Statt Logistikkonzepte nur in der Theorie zu diskutieren, mussten wir sie anhand von realen Plänen direkt auf ein Bauprojekt anwenden“, erklärt sie. „Die Konzepte wurden greifbar, als die Teilnehmenden anfingen, darüber zu diskutieren, welchen Einfluss die Baustelleneinrichtung auf Effizienz und Sicherheit hat“, fügt sie hinzu. „Bei der Logistik geht es nicht nur darum, Material von A nach B zu bewegen“, so Lundgren, „sondern darum, die Voraussetzungen für einen reibungslosen Produktionsablauf zu schaffen.“

Und genau das ist heute ihre Aufgabe. Lundgren arbeitet bei Skanska täglich mit Bluebeam, um Pläne zu überprüfen, Abmessungen zu ermitteln, die aus den Plänen nicht ersichtlich sind, Arbeitsanweisungen vorzubereiten und Baustellenlogistikpläne zu erstellen. Kurz gesagt, sie arbeitet mit denselben APD-Plänen, mit denen sie während des Studiums geübt hat. „Die Aufgaben, die ich heute erledige, sind den Übungen, die wir im Bluebeam Logistics Lab bearbeitet haben, sehr ähnlich“, erklärt sie. Da sie bereits als Studentin an Baustelleneinrichtungsplänen und Materialflüssen gearbeitet hatte, wirkte der Berufsalltag direkt vertraut. Ihr Rat an die Studierenden greift das Gesamtkonzept des Praxisprojekts auf: Eine solide Einführung in die Software zu Beginn habe es ihr ermöglicht, „sich voll und ganz auf die Lösung der logistischen Probleme zu konzentrieren, anstatt sich die ganze Zeit mit der Funktionsweise der Software auseinanderzusetzen.“

Die ehemaligen Studentinnen der Universität Linköping Sofia Jansson (links) und Molly Lundgren
Die ehemaligen Studentinnen Sofia Jansson (links), die als Lehrkraft zur Universität zurückkehrte, und Molly Lundgren, die heute Produktionsingenieurin bei Skanska ist. Fotos mit freundlicher Genehmigung von Sofia Jansson und Molly Lundgren.

Die Zukunft gestalten

Auch nach fast einem Jahrzehnt entwickelt sich das Projekt immer weiter. Der Teil, der sich ändert, ist die Lehre. Die Werkzeuge bleiben die gleichen. Neuerdings beinhalten die Übungen neben weiteren Projektdaten von NCC auch Materialmengenberechnungen. Außerdem ist das Abschlussseminar mit den Vergleichen interaktiver geworden: Die Teilnehmenden sitzen an benachbarten Bildschirmen zusammen, um ihre Pläne abzugleichen und zusammenzuführen. „Wenn wir Änderungen an den Kursinhalten vornehmen, hat die Software nie Probleme bereitet“, erklärt Rudberg. „Ich kann die Aufgabenstellung weiterentwickeln und mich darauf verlassen, dass die Software einfach funktioniert. Und genauso soll es sein.“

Als Nächstes möchte er Bluebeam noch stärker in den Lehrplan integrieren. Zurzeit wird es nur in diesem einen Pflichtkurs im zweiten Jahr eingesetzt. Eine Ausweitung auf das Masterprogramm und weitere Bachelor-Kurse ist aktuell im Gespräch, aber eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Rudberg setzt sich bei seinen Kollegen und den Lehrplanverantwortlichen dafür ein, und die Branche insgesamt tendiert bereits in diese Richtung. BEAst, das schwedische Standardisierungsgremium für den elektronischen Datenaustausch im Baugewerbe, hat auf der Basis von Bluebeam ein standardisiertes Verfahren zur Planprüfung entwickelt. Dabei werden Studio-Sitzungen und andere Funktionen in Revu genutzt, um strukturierte Überprüfungen mit mehreren Beteiligten, festgelegten Kommentarstatus, Farbcodes, Freigaben und Archivierungen durchzuführen. Rudbergs Argumentation ist pragmatisch: Wenn die Lizenzen für Studierende schon vorhanden sind, kann man sie auch voll ausschöpfen.

Sein Rat an Lehrende anderer Ausbildungseinrichtungen ist noch einfacher und typisch großzügig. „Rufen Sie mich an“, sagt er. Er hat die Lehrmaterialien, das Fallbeispiel und ein Handbuch und gibt alles gerne weiter. Aber der Grundgedanke kostet nichts: „Besorgen Sie sich ein echtes Projekt aus der Praxis. Arbeiten Sie mit einem guten Softwareunternehmen und mit einem Bauunternehmen zusammen. Und wenn möglich, besuchen Sie gemeinsam mit den Studierenden die Baustelle, die sie gerade planen.“

Denn genau das ist der Trick: Die Lösung des Lkw-Problems führt zu einem nachhaltigeren Lernerfolg als jede Vorlesung. „Je realer es wird“, so Rudberg, „desto größer ist der Lerneffekt für die Studierenden.“

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