Eine Umfrage unter 350 Branchenführern in Deutschland und Österreich zum Stand der KI-Einführung bis 2027: Was funktioniert, was scheitert, und was Unternehmen mit großflächiger KI-Nutzung von denen in der KI-Erprobungsphase unterscheidet.
Rund 26 % der Unternehmen in Deutschland und Österreich setzen KI produktiv bei ihren Prozessen ein – etwas weniger als die 27 % aus dem Vorjahr. Stattdessen ist die Mitte des Marktes weiterhin gewachsen: 36 % testen KI in begrenzten Anwendungsfällen, und 26 % prüfen aber den Einsatz, ohne bisher mit der Implementierung begonnen zu haben.
Nur 5 % geben an, dass KI in mehrere zentrale Arbeitsabläufe integriert ist. Weitere 21 % nutzen KI in einigen wenigen spezifischen Arbeitsabläufen. Oberhalb dieser Grenze steht der produktive Einsatz, darunter die Absicht.
Frage: Was waren bzw. sind die größten Hindernisse für die Ausweitung des Einsatzes von KI in Ihrem Unternehmen? Wählen Sie bis zu drei Antworten aus. Erhebungsgrundlage: Unternehmen, die KI aktuell einsetzen (Deutschland und Österreich, n=218), unterteilt nach der aktuellen KI-Phase: noch in der Erprobungsphase (n=126) und über die Erprobungsphase hinaus ausgeweitet (n=92). Auswertung der Rohdaten von Hanover Research durch Bluebeam. Als erheblich bezeichnete Unterschiede wurden mittels des exakten Fisher-Tests bei p < 0,05 geprüft.
Unter den Unternehmen, die den Einsatz von KI über die Erprobungsphase hinaus ausgeweitet haben, wurde die Integration in bestehende Systeme und Software von 49 % als der wichtigste Faktor genannt – mit deutlichem Abstand vor allen anderen beeinflussenden Faktoren.
Die Kosten sind kein Kriterium, dass die beiden Gruppen voneinander unterscheidet. 54 % der befragten Unternehmen in der Erprobungsphase und 52 % der Unternehmen mit ausgeweitetem Einsatz nannten hohe Implementierungskosten als Hindernis, während unternehmensinterne KI-Kompetenzen von 32 % bzw. 37 % benannt wurden.
65 % der KI-Nutzer nennen höhere Kostenplanbarkeit als wichtigsten Faktor. Es folgen eine geringere administrative Belastung mit 59 %, an dritter Stelle die frühere Erkennung von Risiken und Problemen mit 58 %. Bei allen drei Aspekten geht es um frühzeitigere Erkenntnisse.
Nacharbeiten sind der kostspieligste Fehler, der im Baugewerbe immer wieder auftritt – die direkten Kosten belaufen sich auf etwa 5 % der gesamten Baukosten, liegen jedoch unter Berücksichtigung indirekter Kosten und terminlicher Auswirkungen eher bei 9 %. Dennoch ist dies ein Bereich, in dem KI derzeit noch am wenigsten zum Einsatz kommt.
Nacharbeit entsteht bereits im Vorfeld – bei Entwurfsentscheidungen und Koordinationslücken – und tritt erst im weiteren Verlauf zutage. KI ist am Anfang der Wertschöpfungskette angesiedelt. Ein Modell meldet einen Konflikt beispielsweise einer Person, die das Team, das bereits mit der Installation beschäftigt ist, nicht immer erreichen kann.
Die Projektplanung steht mit 74 % an erster Stelle. Es folgen die Kostenschätzung mit 69 %, Design und Modellierung mit 64 % sowie Dokumentenmanagement mit 60 %. Das alles sind Tätigkeiten, die weit vor den Bauarbeiten stattfinden.
Je näher man der Baustelle kommt, desto stärker sinken die Werte: Qualitätssicherung 47 %, Sicherheitsüberwachung 24 %, Baustellenbetrieb 13 % – also etwa eines von acht Unternehmen.
Kenntnisse digitaler Tools ist mit 92 % die am dringendsten gesuchte Kompetenz bei der Personalauswahl und daher eher ein Schwellenwert als ein Alleinstellungsmerkmal. Fähigkeiten beim Projektmanagement folgen mit 82 %, notwendige Kenntnisse im Bereich KI mit 71 %.
Auf die Frage, welche Kompetenzen am schwierigsten zu finden seien, standen Kenntnisse über digitale Tools mit 77 % erneut an erster Stelle; an zweiter Stelle folgten KI- Kenntnisse mit 57 %. Die Kompetenz, die sich die Branche am stärksten wünscht, ist genau die, die ihr im Einstellungsverfahren nur selten angeboten wird.
Auf die Frage, ob sie einschlägige Berufserfahrung oder digitale Flexibilität höher bewerten würden, gaben 36 % an, dass für sie die digitale Kompetenz wichtiger sei, 23 % bevorzugten die Berufserfahrung und die größte Einzelgruppe – 41 % – gab an, dass beide Aspekte gleichermaßen wichtig seien. Praktische oder fachliche Erfahrung ist für 52 % der Unternehmen nach wie vor eine erklärte Priorität bei der Personalauswahl. Die Daten lassen also keinen Rückschluss darauf zu, dass die Branche mittlerweile weniger Wert auf Fachkräfte mit echtem handwerklichen Fachwissen legt.
Fachkräftemangel ist nahezu allgegenwärtig. Dies führt in 65 % der Fälle zu einer stärkeren Belastung der bereits vorhandenen Belegschaft. Insgesamt geben 87 % aller Befragten an, dass der Mangel an Fachkräften und Qualifikationen ihre Fähigkeit, Projekte umzusetzen, zumindest teilweise beeinträchtigt.
| Auswirkung | Anteil der betroffenen Unternehmen |
|---|---|
| Stärkere Belastung der vorhandenen Belegschaft | 65 % |
| Projekte werden später fertig | 55 % |
| Projekte werden teurer | 44 % |
| Anzahl der übernommenen Projekte begrenzt | 38 % |
| Mehr Abhängigkeit von Nachunternehmern/externen Partnern | 26 % |
| Qualitätsverlust/mehr Nacharbeit | 18 % |
| Erhöhte Sicherheitsrisiken | 14 % |
Erhebungsgrundlage: Unternehmen, die über Fachkräftemangel berichten (Deutschland und Österreich, n=311).
Etwa vier von fünf Unternehmen geben an, dass nicht miteinander vernetzte Software die Entscheidungsgeschwindigkeit und die Effizienz der Arbeitsabläufe erheblich beeinträchtigt und zusätzliche Risiken mit sich bringt. Störungen treten am häufigsten in der Dokumentenverwaltung (41 %), an der Schnittstelle zwischen Büro und Baustelle (40 %) sowie am Übergang von Planung zu Ausführung (39 %) auf.
Ein Ergebnis verdient mehr Beachtung, als ihm wahrscheinlich zugestanden wird: Probleme bei der Kompatibilität zwischen verschiedener Software oder Plattformen wurden nur von 27 % genannt und belegten damit einen der hinteren Plätze auf der Liste. Die Branche erlebt ihr Problem als Koordinationsproblem, nicht als Softwareproblem – Software ist dabei nur eines von mehreren Hindernissen zwischen den beiden Endpunkten einer Übergabe.
Konsolidierung gilt seit einer Generation als das versprochene Ziel von Bausoftware: eine Plattform, eine zentrale Datenquelle, ein Ansprechpartner. Doch Unternehmen geben ihre KI-Budgets für das Gegenteil aus.
Unter den Unternehmen, die KI einsetzen, nutzen 42 % sie zur Automatisierung von Aufgaben innerhalb einzelner Tools und 30 % zur Vernetzung und Koordination von Daten über bestehende Tools hinweg.
| Nutzung von KI im Vergleich zu bestehenden Tools | Anteil der KI-Nutzer |
|---|---|
| Zur Automatisierung von Aufgaben innerhalb einzelner Tools | 42 % |
| Zur toolübergreifenden Verknüpfung und Koordinierung von Daten | 30 % |
| Um mehrere Tools durch eine einzige Plattform zu ersetzen | 28 % |
Erhebungsgrundlage: Unternehmen, die KI bereits einsetzen (Deutschland und Österreich, n=218). Eine einzige Antwortmöglichkeit.
Rund ein Viertel der Unternehmen setzt KI bereits produktiv ein, und 92 von ihnen beantworteten eine Frage, die den anderen nicht gestellt wurde. (Es ist hierbei zu bedenken, dass sie ihren eigenen Erfolg rückblickend beschrieben, was im Rahmen dieser Studie eine Angabe mit wenig Aussagekraft ist.)
Die Integration in bestehende Systeme und Tools liegt mit 49 % in jedem der untersuchten Märkte an erster Stelle.
Starke Unterstützung durch die Führungsebene wurde von nur 10 % genannt, ein eindeutiger ROI von nur 10 %, guter Support durch den Anbieter von nur 13 %. Hohe Implementierungskosten stellen das größte Hindernis für Unternehmen dar, die den Einsatz noch nicht ausgeweitet haben. Bei Unternehmen, die den Einsatz dagegen erfolgreich ausweiten konnten, rangiert ein klarer ROI-Nachweis fast am unteren Ende. Kosten bremsen Unternehmen aus. Aber ein wirtschaftlicher Anreiz ist offenbar auch kein Einstiegsargument.
Die Einsparungen sind jedoch real: 48 % der Unternehmen, die KI produktiv einsetzen, berichten von Einsparungen von mehr als 430.000 €, weitere 23 % von Einsparungen zwischen 85.000 € und 430.000 €. (Selbsteinschätzung, Stichprobe n=210; nicht mit dem Vorjahr vergleichbar.)
Erfolgreiche Unternehmen arbeiteten nicht mit besseren Modellen. Alle Unternehmen erwarben KI im selben Jahr bei denselben Anbietern zu ähnlichen Preisen. Ihr Vorteil bestand lediglich darin, dass sie eine entsprechende Infrastruktur hatten, in die die Modelle integriert werden konnten.
Die Leistung, die KI vom Pilotprojekt in den produktiven Einsatz bringt, ist keine KI-Arbeit. Es geht um die verbindende Infrastruktur, deren Aufbau die Branche seit 30 Jahren aufgeschoben hat – und an der die meisten Pilotprojekte ins Stocken geraten. Die Branche verfügt inzwischen über Technologien, die ihr sagen können, was als Nächstes schiefgehen wird.
Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie das Baugewerbe den Rückstand aufholt, besuchen Sie den BUILT-Blog