Wenn Reisende heute das neue Hauptterminal des Portland International Airport betreten, fällt ihr Blick zunächst auf ein gewaltiges Holzdach, das sich über eine Fläche spannt, die fast doppelt so groß ist wie die frühere Abfertigungshalle.
Das Dach wurde so konstruiert, dass es einem Erdbeben der Stärke 9,0 standhalten kann. Es wurde in riesigen Segmenten vorgefertigt und nachts in Position gebracht, während der Flughafenbetrieb weiterlief. Was früher aus einzelnen Gebäudeteilen bestand, ist heute ein zusammenhängender öffentlicher Raum, geprägt von Tageslicht, Bäumen und dem Duft regionaler Hölzer.
Für den Port of Portland war das Terminal Core Redevelopment weit mehr als eine Erweiterung. Mit einem Investitionsvolumen von zwei Milliarden US-Dollar und rund 90.000 Quadratmetern Fläche handelte es sich um das größte öffentliche Bauvorhaben in der Geschichte Oregons und um das Herzstück des langfristigen Programms „PDX Next“.
Ziel war es, den Flughafen bis 2045 auf bis zu 35 Millionen Passagiere jährlich vorzubereiten und gleichzeitig den lokalen Charakter zu bewahren, der PDX über Jahre hinweg zu einem der beliebtesten Flughäfen der USA gemacht hatte.
Für ZGF Architects war das Projekt zugleich beruflich wie persönlich bedeutsam. Das Unternehmen prägt den Flughafen seit Jahrzehnten und sollte nun dessen „Wohnzimmer“ neu gestalten, ohne dessen Identität zu verlieren.
„Jeder liebt den Portland International Airport“, so Nat Slayton, Inhaber und Senior Technical Designer bei ZGF. „Es ist ein Ort, der zur Community gehört. Das war die Herausforderung: Wie entwickelt man ihn weiter und schafft gleichzeitig etwas, das die Menschen genauso schätzen wie das Original?“
Das Projekt war gewaltig: Die Kapazität des Terminals zu verdoppeln, seismische Standards zu erfüllen und biophiles Design zu integrieren ohne den laufenden Betrieb des Flughafens zu unterbrechen. Und dann kam COVID-19. Gerade als die Dokumentation in vollem Gange war, zwang die Pandemie das größte Planungsteam in der Geschichte des Bundesstaates, den Arbeitsablauf vor Ort über Nacht einzustellen.
„Diese Größenordnung und Trägheit trafen dann auf COVID“, erinnerte sich Slayton. Angesichts der Gefahr, den Zeitplan für Oregons ambitioniertestes Infrastrukturprojekt zu verfehlen, benötigte das Team eine neue Grundlage für die Zusammenarbeit.
Diese fanden sie in Bluebeam.

Das Tor zur Stadt neu denken
Die technischen Herausforderungen des neuen Hauptterminals in Portland waren enorm. Das 3,6 Hektar große Dach wurde in 18 riesigen Modulen vorgefertigt, jedes so groß wie ein Footballfeld. Diese Segmente mussten nachts über das Vorfeld transportiert und millimetergenau eingesetzt werden, während Ticketing, Sicherheitskontrollen und Gepäckabfertigung ununterbrochen weiterliefen.
Komplexe Bauphasen erforderten eine präzise Taktung jedes einzelnen Schritts, während sich täglich Zehntausende Reisende durch das Gebäude bewegten.
Schon vor Baubeginn stellte das Projekt Rekorde auf. Mit nahezu 6.000 aktiv koordinierten Plänen entstand der größte Genehmigungssatz in der Geschichte Oregons. Das Planungsteam umfasste zahlreiche Fachdisziplinen, Zeitzonen und Projektbeteiligte, von Ingenieuren und Bauunternehmen bis hin zur Hafenbehörde von Portland und den Airline-Partnern.
Dann kam die ungeplante Zäsur durch COVID-19, die das Team zwang, die sogenannten „War Rooms“ aufzugeben, in denen zuvor jede Wand mit Plänen bedeckt war. „Es war das größte Projekt, das der Staat je gesehen hatte und dann kam COVID zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt“, so Slayton. Plötzlich arbeiteten Hunderte Architekten, Ingenieure und Fachplaner von zu Hause aus, mit der Verantwortung, Oregons bedeutendstes öffentliches Bauvorhaben termingerecht umzusetzen.
Bluebeam als digitales Rückgrat
Vor der Pandemie bedeutete Zusammenarbeit bei ZGF vor allem eines: persönlich zusammenzukommen, Wände voller Zeichnungen, Teams Schulter an Schulter über Markierungen gebeugt. Diese räumliche Nähe war für ein Projekt dieser Größenordnung entscheidend. „Wir hatten komplette Wände, die nur mit Plänen bedeckt waren“, erinnert sich Michael Adams, BIM Manager bei ZGF. „Man holte alle in einen Raum, besprach ein Problem und bearbeitete es gemeinsam.“
„Bluebeam wurde sehr schnell zu meinem zentralen Einstiegspunkt.“
Michael Adams
BIM Manager
ZGF Architects
Wegen COVID-19 musste dieser Arbeitsablauf über Nacht neu gedacht werden. Bluebeam füllte diese Lücke nahezu sofort. „Es wurde sehr schnell zu meinem zentralen Einstiegspunkt“, sagte Adams über Bluebeam. Anstatt Papierpläne an die Wand zu hängen, lud das Team Zeichnungssätze in Studio-Sitzungen hoch. Dort konnten Dutzende Architekten, Ingenieure und Fachplaner in Echtzeit aus ihren Homeoffices im ganzen Land gemeinsam arbeiten. Der Wandel war unmittelbar und grundlegend: Was zuvor physische Präsenz erforderte, funktionierte nun vollständig digital, ohne das Projekt zu verlangsamen.
Um den Prozess skalierbar zu machen, entwickelte ZGF gemeinsam Werkzeugsets aus allen Fachdisziplinen. Farbkodierungen und standardisierte Markierungen schufen eine gemeinsame visuelle Sprache, sodass Tragwerksplaner in einer Zeitzone und Architekten in einer anderen die Arbeit der jeweils anderen sofort verstehen und darauf reagieren konnten. Die Statusverfolgung ergänzte diesen Ansatz um klare Verantwortlichkeiten, indem sie sichtbar machte, welche Kommentare bereits bearbeitet waren und welche noch offenstanden.
Die Funktion „Sets“ wurde dabei unverzichtbar. Sie ermöglichte es dem Team, Dokumente zu verknüpfen, zu sortieren und zu durchsuchen, als arbeite man mit einem einzigen Masterplan. Dank der Zwischenblattüberarbeitung ersetzten neue Revisionen ältere Versionen sauber und zuverlässig, ein entscheidender Faktor zur Vermeidung von Versionskonflikten.
Auch die Qualitätssicherung gewann an Tiefe. Studio-Sitzungen ermöglichten laut Slayton eine Art „Crowdsourcing“ von Planprüfungen und vervielfachten die Anzahl der prüfenden Augen pro Dokument. Jüngere Teammitglieder erhielten Einblick in die Kommentare erfahrener Prüfer und lernten direkt aus dem Entscheidungsprozess.
„Man konnte sehen, wie erfahrene Kollegen ein Problem durchdenken“, sagte Projektarchitekt Christian Schoewe. „Diese Art von Zugang hätte es in der alten Raumstruktur so nicht gegeben.“
Die Arbeitsabläufe reichten dabei weit über die reine Planung hinaus. Exportierbare Markierungslisten dienten gleichzeitig als Besprechungsgrundlagen für Termine mit Bauunternehmen und dem Port of Portland, während Live-Statusaktualisierungen den Auftraggebern die Sicherheit gaben, dass kein Thema übersehen wurde.
Bereits nach dem ersten Jahr war Bluebeam weit mehr als nur ein Planwerkzeug. Es hatte sich zum digitalen Rückgrat des Projekts entwickelt – zu einer zentralen Schaltstelle, die Oregons größtes öffentliches Bauvorhaben während einer der disruptivsten Phasen der jüngeren Geschichte auf Kurs hielt.

Effizienz, Genauigkeit und Verantwortlichkeit
Die Rolle von Bluebeam bei PDX ging weit über die Digitalisierung von Annotationen hinaus. Die Plattform schuf messbare Effizienzgewinne, reduzierte kostenintensive Fehler und verschaffte allen Beteiligten – von jungen Architekten über Bauunternehmen bis hin zum Port of Portland – einen klaren Überblick über den Projektfortschritt.
- Beschleunigte Prüfprozesse: Studio-Sitzungen verkürzten Prüfzyklen, die früher Wochen dauerten, auf wenige Tage, da Dutzende Projektbeteiligte gleichzeitig denselben Plansatz kommentieren konnten.
- Weniger Koordinationsfehler: Overlay- und Vergleichswerkzeuge machten Abweichungen über nahezu 6.000 Pläne hinweg sichtbar, bevor sie zu Problemen auf der Baustelle wurden. Durch das frühzeitige Auflösen von Konflikten konnten teure Nacharbeiten vermieden und die Bauphasen im Zeitplan gehalten werden.
- Transparenz und Nachvollziehbarkeit: Statusverfolgung und Markierungshistorien schufen ein lebendiges Protokoll aller Kommentare und Entscheidungen. Bauherren und Ausführende konnten sich darauf verlassen, stets mit den aktuellsten Informationen zu arbeiten.
- Institutionelles Gedächtnis: Jahre nach Projektbeginn griff Schoewe auf das Bluebeam-Archiv zurück, um eine Markierung zu finden, die eine kritische Dachkonstruktion belegte. Dieser digitale „Papierpfad“ verhinderte eine kostspielige Auslassung und zeigte den langfristigen Wert zentralisierter Dokumentation.
- Mentoring im großen Maßstab: Die gemeinsame Sichtbarkeit von Kommentaren erfahrener Planprüfer ermöglichte es jüngeren Teammitgliedern, Entscheidungsprozesse in Echtzeit nachzuvollziehen. „Man konnte sehen, wie erfahrene Kollegen ein Problem durchdenken“, erklärte Schoewe – eine Form der Wissensweitergabe, die in den Arbeitsabläufen vor COVID nicht möglich gewesen wäre.
Am Ende beschleunigte Bluebeam nicht nur Prüfprozesse, sondern etablierte eine Kultur der Verantwortlichkeit und Zusammenarbeit, die das Projekt sicher durch eine Phase massiver Umbrüche führte und neue Maßstäbe für die digitale Umsetzung komplexer öffentlicher Infrastrukturprojekte setzte.
Stolz und Vermächtnis
Bei aller technischen Komplexität ging es beim neuen Hauptterminal von PDX nie nur um Ingenieurwesen oder Logistik. Es ging darum, einen öffentlichen Raum zu schaffen, auf den die Menschen in Oregon stolz sein können und der Reisenden auch lange nach ihrer Abreise aus Portland in Erinnerung bleibt.
Schoewe erinnert sich noch gut an seinen ersten Gang durch die fertige Abflughalle, als er sah, wie Passagiere staunend zum weit gespannten Holzdach hinaufsahen.
„Ich freue mich immer noch über die Reaktionen der Menschen“, sagte er. „Man kann ihnen förmlich von den Lippen ablesen: Wie haben sie das mit all dem Holz geschafft?”
Dieses Staunen bestätigte, was sich das Planungsteam erhofft hatte: dass das Gebäude selbst zu einem Erlebnis wird und nicht nur zu einem Durchgangsort.
Slayton war vor allem stolz auf die Menschen hinter dem Projekt. „Das wurde durch das Können und die Fähigkeiten der Menschen geschaffen, die hier im Bundesstaat leben“, sagte er. Von Forstbetrieben, die Douglasien aus einem Umkreis von 300 Meilen lieferten, über die Timberlab-Teams, die die massiven Dachpaneele montierten, bis hin zu lokalen Künstlerinnen und Künstlern, die die Terminalbereiche mit Kunst im öffentlichen Raum gestalteten – dieses Projekt wurde von Menschen aus Oregon für Oregon realisiert.
Diese Verbindung zwischen lokaler Wertschöpfung und öffentlicher Identität war ebenso bedeutend wie die architektonische Leistung selbst.
Adams formulierte die Mission nüchterner: Es ging um die Passagiere. „Das war die Aufgabe“, sagte er. Jede Planungsentscheidung – von breiteren Sicherheitskontrollen bis hin zu viel Tageslicht und Begrünung – wurde daran gemessen, wie sehr sie das Reisen stressfreier machen konnte.
Die Wirkung dieses biophilen Designs ist bereits spürbar. Mit 72 ausgewachsenen Bäumen, gefiltertem Tageslicht und offenen Grünflächen unter dem riesigen Holzdach berichten viele Reisende von einer beruhigenden Atmosphäre, sobald sie das Terminal betreten.
„Der Stress war einfach weg“, beobachtete Schoewe – ganz im Sinne der Neurowissenschaftler und Umweltpsychologen, die das Design beratend begleitet hatten.
Am Ende hinterließ das Projekt mehr als Zeichnungen und Terminpläne. Es hinterließ den Stolz auf ein öffentliches Bauwerk, das Portlands Werte widerspiegelt, seine Menschen würdigt und jedem Reisenden – vom täglichen Pendler bis zum Erstbesucher – einen Moment gibt, innezuhalten, aufzublicken und sich willkommen zu fühlen.

Ein Modell für digitale Projektabwicklung
Die Arbeitsabläufe, die ZGF am PDX entwickelte, verschwanden nicht mit dem Ende der akuten Krise. Bluebeam begleitete das Team von der Planung über die Genehmigung bis in die Ausführung und wurde zum verbindenden Element über alle Fachdisziplinen und Projektphasen hinweg.
Was als Notlösung während COVID begann, entwickelte sich zu einem nachhaltigen digitalen Framework, das die Herangehensweise des Büros an großmaßstäbliche Infrastrukturprojekte dauerhaft veränderte.
Einige der improvisierten Innovationen sind heute fester Bestandteil der Praxis von ZGF. Individuelle Automatisierungen für digitales Stempeln und das Erstellen von Pull Sheets, ursprünglich entwickelt, um mit dem engen Takt des Terminals Schritt zu halten, kommen inzwischen auch in anderen Projekten zum Einsatz.
Die fachbezogenen Werkzeugsets und farbcodierten Markierungsstandards, die am PDX verfeinert wurden, dienen heute als Vorlagen für standortübergreifende Zusammenarbeit. In vielerlei Hinsicht wurde das Flughafenprojekt zum Testfeld für Arbeitsabläufe, die inzwischen zum Standard gehören.
Die Bedeutung reicht dabei weit über einen einzelnen Flughafen hinaus. PDX zeigte, wie digitale Werkzeuge phasenweise Bauabläufe in einem laufenden Betrieb unterstützen, die Koordination des größten Planungsteams in der Geschichte eines Bundesstaates vereinfachen und Wissen über Jahre hinweg sichern können.
Während öffentliche Infrastrukturprojekte immer komplexer werden, liefert die Erfahrung aus Portland ein klares Modell: Mit dem richtigen digitalen Rückgrat lassen sich anspruchsvolle Bauvorhaben realisieren, ohne Genauigkeit, Verantwortlichkeit oder den menschlichen Aspekt zu verlieren.
In Portland spricht das Ergebnis für sich. Digitale Präzision trug dazu bei, ein Terminal zu realisieren, das seinem Ruf als „Amerikas beliebtester Flughafen“ gerecht wird – ein öffentliches Wahrzeichen, das Innovation, Widerstandsfähigkeit und eine starke lokale Identität vereint.
